Trotz Chemo kein Haarausfall

Trotz Chemo kein Haarausfall


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Der behandlungsbedingte Haarausfall ist für viele Brustkrebspatientinnen eine zusätzliche psychische Belastung. Kältekappen können den Haarverlust verhindern oder verringern.

PD Dr. Kay Friedrichs Medizinischer Leiter des Mammazentrums am Krankenhaus Jerusalem

Als der an Brustkrebs erkrankten Hamburgerin Verena S. (49)* eine Brust abgenommen werden musste, empfand sie dies als großen Schlag gegen ihre Weiblichkeit. „Ich fühlte mich von meinem Körper im Stich gelassen und nach der Operation, obwohl das Ergebnis ästhetisch sehr gut war, wie verstümmelt“, erzählt sie im Gespräch mit gute besserung!. Nach der OP folgte eine dreimonatige Chemotherapie. Verena S. wollte nicht, dass man ihr im Alltag sofort ansieht, dass sie an Krebs erkrankt ist. „Ich bin Psychologin. In meinem wie auch in anderen Berufen ist es nachteilig, wenn man als schwerkrank eingestuft wird. Ich wollte selbst bestimmen, wer davon erfährt. Durch den chemobedingten Haarausfall ist das aber geradezu unmöglich“, so die 49-Jährige. Ihr Arzt, Priv. Doz. Dr. Kay Friedrichs, medizinischer Leiter des Mammazentrums am Krankenhaus Jerusalem, berichtete ihr von einer Möglichkeit, die Haare zu erhalten. Normalerweise schädigt das Zytostatikum nicht nur die Krebs-, sondern auch die Haarfollikelzellen. Mittels einer Kältekappe kann dies verhindert werden: Die Kopfhaut wird während der Therapie auf circa 5 Grad abgekühlt, die Blutgefäße verengen sich, und die Medikamente gelangen nicht zur Haarwurzel. Der Erfolg der Therapie bemisst sich auf 60 bis 70 Prozent, je nach Chemotherapie und Haartyp der Patientin. „Jede Sitzung dauert durch diese Prozedur länger, zudem war die Kälte zeitweise schon schmerzhaft. Einige bekommen Kopfschmerzen und halten es nicht aus. Doch bei mir wurde es mit der Zeit erträglicher und war die Sache auf jeden Fall wert: Alle meine Haare blieben mir erhalten“, erzählt Verena S., die nach dem Chemo-Zyklus wieder anfängt zu arbeiten.

Das Problem: Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Behandlung nicht. Verena S. hatte Glück und musste sich nur an den Kosten beteiligen: Die Stiftung des Mammazentrums kann noch bis Ende 2018 einen Großteil der Behandlung durch Spendengelder finanzieren. „Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich in dieser Zeit voller schwerer Verluste meine Haare dank Kühlkappe vollständig behalten durfte“, so Verena S.

*Name geändert

Mammazentrum Hamburg am Krankenhaus Jerusalem: Die Kältekappe soll während der Chemo dafür sorgen, dass die Haare nicht ausfallen.
Bildquellen: © Martin Zitzlaff (beide Fotos)

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