Altersbedingte Wirbelbrüche bleiben oft unentdeckt – eine Gefahr

Altersbedingte Wirbelbrüche bleiben oft unentdeckt – eine Gefahr


Image

Schmerzen im Rücken, verminderte Beweglichkeit und Einschränkungen bei Alltagstätigkeiten. So oder ähnlich geht es vielen Betroffenen mit einer osteoporotischen Fraktur der Wirbelkörper.

Sie ist eine der am häufigsten vorkommenden Arten von Knochenbrüchen und hängt damit zusammen, dass im Alter die Knochendichte abnimmt. „Vor allem Frauen nach der Menopause sind für osteoporotische Wirbelkörperfrakturen anfällig“, erklärt Dr. Erik Fritzsche, Chefarzt des neugegründeten, standortübergreifenden Albertinen-Wirbelsäulenzentrums im Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus. „Das liegt daran, dass die Regulation des Knochenbaus durch Hormone gesteuert wird, die in den Wechseljahren ins Ungleichgewicht kommen können.“ So wird die Erkrankung bei etwa zehn Prozent der Frauen über 55 Jahren gefunden, wobei die Häufigkeit auf mehr als 40 Prozent um das 80. Lebensjahr ansteigt. „Sie kann Folge eines Sturzes sein, oft tritt sie aber völlig unerwartet auf, zum Beispiel beim Husten, Verheben, Rumpfbeugen oder in einer Drehbewegung“, so Dr. Fritzsche. Erstaunlich: Weil die Brüche nicht immer gleich zu Beschwerden führen, leiben sie in zwei Dritteln der Fälle erst einmal unentdeckt. Das birgt Gefahren: Denn wenn ein Wirbelbruch in der zusammengebrochenen Position verheilt, steigt das Risiko für einen weiteren Bruch etwa um das Dreifache, bei zwei Brüchen bereits um das Zehnfache. Die resultierende Deformierung der Wirbelsäule führt zu statischen Veränderungen mit häufig chronischen Beschwerden am Bewegungsapparat.

Knochenzement füllt die Lücken

Dr. Erik Fritzschke, Chefarzt des standortübergreifenden Albertinen Wirbelsäulenzentrums im Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus

Bei Verdacht eines Bruches also lieber gleich kontrollieren lassen: Meist sind die mittlere Brustwirbelsäule und der Übergang zwischen der Brustwirbelsäule und der Lendenwirbelsäule betroffen. Aufschluss darüber geben eine Röntgenuntersuchung gefolgt von einer Magnetresonanztomographie. „Während einfache Frakturen auch konservativ behandelt werden können, etwa durch Muskelaufbautraining, müssen komplexe Brüche der Wirbelkörper in der Regel durch eine Operation versorgt werden“, sagt Dr. Fritzsche. „Hierfür stehen uns heute moderne minimalinvasive Verfahren zur Verfügung. Dabei werden die eingebrochenen Wirbel durch die Injektion von Knochenzement aufgerichtet und so die Belastbarkeit der Wirbelsäule wiederhergestellt.“

In manchen Fällen – beispielsweise, wenn die Knochenstruktur verloren gegangen ist – sind stabilisierende Schrauben und Stäbe nötig. Dr. Fritzsche: „In einem zweiten Schritt wird dann der zusammengebrochene und weitgehend aufgelöste Wirbelkörper entfernt und ein Wirbelkörperersatzkorb aus Titan eingesetzt.“


Beitragsbild: © Image Point Fr/Shutterstock.com

Print Friendly, PDF & Email