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DIE MITTE DER FRAU STÄRKEN

DIE MITTE DER FRAU STÄRKEN


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Der weibliche Beckenboden vereint Lust und Kontrolle. Denn er ist sowohl für die Sexualität der Frau als auch für die Kontinenz entscheidend. Zeit, die Mitte der Frau ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. 

Es ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, dass der Beckenboden auch bei jungen Frauen zunehmend thematisiert wird, weil ein gesunder Beckenboden wesentlich zur Lebensqualität beiträgt“, sagt Dr. Wolf Lütje, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus. Aber so richtig Thema wird der Beckenboden für viele Frauen erst, wenn er schwächelt. Zwar gäbe es mittlerweile viele konservative und operative Verfahren, sodass jeder Patientin individuell geholfen werden könne. Doch der Urogynäkologe weiß: „Die beste Therapie ist immer noch Prophylaxe.“ Deswegen ermutigt er bereits junge Frauen, sich mit dem Beckenboden auseinanderzusetzen. „Lesen Sie sich in die Thematik ein und testen Sie, ob Sie ein Gefühl für den Beckenboden haben. 30 Prozent der Frauen können ihn gar nicht bewusst ansteuern.“ Mit verschiedenen Trainingsmethoden lernen Frauen dann, spielerisch mit ihrem Beckenboden umzugehen, sodass sowohl bewusste An- als auch Entspannung möglich ist. „Die Anspannung stellt die Kontinenz der Harnröhre und des Schließmuskels sicher. Für den kontrollierten Toilettengang ist hingegen die Entspannung wichtig“, erklärt der Urogynäkologe. Auch für das weibliche Sexualempfinden spielen Anspannung und Entspannung eine große Rolle, ergänzt der Experte: „Um ein schmerzfreies Eindringen in die Scheide zu ermöglichen, muss sich der Beckenboden entspannen. Für das Lustempfinden und die Orgasmusfähigkeit ist dann eine gesteuerte Anspannung entscheidend.“ Neben speziellen Übungen eignen sich beispielsweise Yoga und Pilates hervorragend, um den Beckenboden zu trainieren. 

Für jede Frau die passende Beckenbodenbehandlung

Trotz der erhöhten Aufmerksamkeit wird der Beckenboden für viele Frauen erst so richtig zum Thema, wenn er schwächelt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Schwächung durch Schwangerschaft oder Übergewicht, Verletzungen durch vaginale Geburt oder operative Eingriffe im kleinen Becken sowie chronische Überbelastung. Mit zunehmendem Alter lässt zudem die Spannkraft des Bindegewebes nach. Doch nur weil Alterungs- und natürliche Prozesse eine Rolle spielen, müssen Frauen das nicht akzeptieren, so Dr. Lütje: „Insbesondere älteren Frauen möchte ich mit auf den Weg geben: Seien Sie sich bewusst, dass auch Sie ein Anrecht auf einen funktionierenden Beckenboden haben und Ihnen geholfen werden kann.“ Denn mittlerweile gibt es viele konservative und operative Verfahren, sodass für jede Patientin eine passende Therapie erstellt werden kann. Konservativ ist neben den Beckenbodenübungen der Einsatz von Pessaren möglich, um beispielsweise die Gebärmutter wieder abzustützen.

Netze verhelfen zu neuer Spannkraft

„Die OP-Verfahren sind vielfältig und müssen selbstverständlich auch das Sexualleben der Frauen berücksichtigen. Mitunter kommen wir aber nicht umhin, den stark geschwächten Halteapparat im Becken durch die Einlage von Netzen zu unterstützen“, führt Dr. Lütje aus. Die Netze könne sich die Patientin vorstellen wie Flicken, die einen gerissenen Stoff wieder verstärken. Darauf bildet der Körper dann belastbares Gewebe. Zusätzlich werden die Netze noch mit Fäden, den sogenannten Ärmchen, an den Beckenbändern festgemacht. „Dadurch ziehen wir den Beckenboden wieder auf Spannung. Das Trampolin bekommt also quasi neue Sprungfedern“, verdeutlicht der Experte das Vorgehen. Die Auswahl der Netze werde dabei individuell auf die Beschwerden der Patientin sowie die jeweiligen Lebensumstände und Wünsche angepasst. „Hat die Patientin beispielsweise einen Kinderwunsch können wir die Netze so legen, dass eine Schwangerschaft und Geburt weiterhin möglich sind“, so Dr. Lütje. Nach einer gewissen Heilungsphase empfiehlt der Experte immer ein unterstützendes Beckenbodentraining.

Beckenboden ist auch Kopfsache

Inkontinenz oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – diese Beckenbodenprobleme können auch psychologisch bedingt sein. Eine ganzheitliche Behandlung sollte deswegen auch die Psyche in den Blick nehmen Die psychologischen Ursachen sind dabei genauso vielfältig wie die physiologischen, weiß Dr. Wolf Lütje, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus: „Stress, mentale Blockaden und Traumata spielen eine entscheidende Rolle. Sie können beispielsweise zu einer dauerhaften Anspannung führen, die unter anderem chronische Unterbauchschmerzen oder die Verengung der Scheide nach sich zieht.“ Behandlungen, die auf physiologische Symptome ausgerichtet sind, können eventuell kurzfristig zu einer Besserung führen, für einen langfristigen Erfolg müsse aber die psychologische Ursache behandelt werden. „Während der Anamnese sollten deswegen neben der körperlichen Verfassung auch Fragen zum aktuellen Stressniveau, der Lebenssituation und möglichen Traumata gestellt werden“, so Dr. Lütje, der auch Psychotherapeut ist. Da es bei den Beschwerden und möglichen Traumata um sehr sensible Themen geht, rät der Facharzt betroffenen Frauen, sich einen Arzt oder eine Ärztin zu suchen, wo sie sich rundum wohlfühlen: „Vertrauen ist die beste Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung – seien Sie dementsprechend mutig und wechseln Sie die Praxis oder Klinik, wenn es sich für Sie nicht richtig anfühlt.“

Beckenboden-Übungen für den Alltag, 5 - 10 Wiederholungen 

- Spannen sie den Beckenboden im Sitzen oder Stehen für mehrere Sekunden fest an und wieder loslassen. Ziehen Sie dafür Harnröhre und Schließmuskel fest zusammen. Das geht ganz unauffällig – im Bus, im Supermarkt oder am Schreibtisch. 

- Pilates-Schmetterling: Legen Sie sich auf den Rücken und stellen die Füße aneinander. Die Fersen gehen dabei Richtung Körper, die Knie kippen nach außen. Beim Ausatmen ziehen Sie den Nabel ein, spannen den Beckenboden an und drücken das Becken hoch. 

- Brücke bauen: Legen Sie sich mit den Rücken auf den Boden, die Beine angestellt. Drücken Sie ihre Fersen in den Boden und spannen Sie den Beckenboden an. Mit der Ausatmung heben Sie das Becken so weit an, bis der Oberkörper und Oberschenkel eine gerade Linie bilden. Halten Sie die Spannung für mehrere Sekunden und atmen dabei unbedingt weiter. Dann das Becken langsam wieder absenken und den Beckenboden entspannen. 

- In alle Richtungen leuchten: Setzen Sie sich mit geradem Rücken in den Schneidersitz. Stellen Sie sich vor, dass ihre Sitzbeinhöcker zwei Taschenlampen sind. Spannen Sie den Beckenboden mit der Ausatmung an und bewegen Sie die imaginären Lichtstrahlen so weit wie möglich nach vorne. Halten Sie die Spannung einige Sekunden und entspannen dann wieder. Anschließend lassen Sie die Sitzbeinhöcker nach hinten, nach rechts und nach links wandern.


Beitragsbild: © molotoka/shutterstock

 
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