KÖNNEN SIE DEN BECKENBODEN ANSPANNEN?

KÖNNEN SIE DEN BECKENBODEN ANSPANNEN?


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Falls nicht, geht es Ihnen wie vielen anderen. Dabei erspart uns ein starker Beckenboden besonders im Alter viel Leid. Was er alles kann und wie er sich trainieren lässt, weiß Dr. Maike Kalb-Rottmann.

Unser Beckenboden besteht hauptsächlich aus Muskeln, Faszien und Bindegewebe. Er bildet eine Art Hängematte, die im unteren Teil des Beckens aufgespannt ist. Seine Hauptaufgabe ist es, die Lage der Organe zu sichern. „Der Beckenboden ist zusammen mit der Rücken- und Oberschenkelmuskulatur dafür verantwortlich, dass wir aufrecht gehen können. Ohne diese Barriere würden die Organe einfach unten rausfallen, wenn wir uns hinstellen“, erläutert Dr. Maike Kalb-Rottmann, leitende Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf. 

Darm, Blase und Sexualleben 

Er beeinflusst sowohl unsere Darm- und Blasenkontrolle als auch unser Sexualleben. Meistens ist der Beckenboden angespannt und sorgt dafür, dass sich Blase und Darm nicht entleeren. Beim Toilettengang entspannen sich Teile des Beckenbodens, genauso wie beim Geschlechtsverkehr. So hat er Einfluss auf Lustempfinden und Potenz. Bei Frauen ist es außerdem wichtig, dass der Beckenboden beweglich ist, damit sie Kinder bekommen können. 

Jede zweite Frau ab 50 ist betroffen 

Eine Beckenbodenschwäche kann vielseitige Beschwerden nach sich ziehen: Angefangen bei leichten Rückenschmerzen bis hin zu Harninkontinenz beim Lachen, Husten oder Heben, Erektionsstörungen oder dauerhaften Schwierigkeiten, Stuhl und Harn zu halten. „Jede dritte Frau über 29 hat kurz- oder längerfristig Symptome einer Beckenbodenschwäche, ab 50 betrifft das jede zweite Frau und über 65 ist die Inkontinenz die häufigste Krankheit überhaupt“, berichtet Dr. Kalb-Rottmann. 

Bewegung beugt vor 

Nach der Geburt und auch schon während der Schwangerschaft sollten Frauen ihren Beckenboden gezielt trainieren, zum Beispiel in Rückbildungskursen. „Aber eigentlich bekommt jeder, der nicht mehr regelmäßig Sport macht, einen Bürojob hat, viel sitzt und eine falsche Körperhaltung entwickelt, irgendwann eine Beckenbodenschwäche“, sagt Dr. Kalb-Rottmann. Um dem vorzubeugen, empfiehlt sie Yoga, Pilates, Schwimmen und Nordic Walking. Auch zwischendurch mal aufzustehen und herumzulaufen hilft. Bestehen bereits Beschwerden, sollte der Beckenboden durch spezielle Übungen trainiert werden. Dabei kneifen viele, statt den Beckenboden anzuspannen, die Po-Muskeln zusammen. Umso wichtiger ist es, zu lernen, die richtigen Muskeln anzusteuern, um einer bereits vorliegenden Schwächung entgegenzuwirken.

Hilfreiche Übungen für den Beckenboden finden Sie hier!


Beitragsbild: © H_Ro / shutterstock


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