Bestens versorgt im Alter

Bestens versorgt im Alter


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Aktiv und selbstständig bis ins hohe Alter zu sein, das heißt Lebensqualität. Weil betagte Patienten im Krankenhaus oft einer besonderen Behandlung bedürfen, gibt es Alterstraumatologische Zentren.

Die 79-jährige Ingrid S. ist erleichtert, denn sie hatte Glück im Unglück. Sie war zu Hause gestürzt, ihr Oberschenkelhals ist gebrochen. Der Rettungswagen hatte sie ins Albertinen Krankenhaus gebracht, wo es ein zertifiziertes Alterstrauma Zentrum, kurz ATZ, gibt. Dort arbeiten Unfallchirurgen und Altersmediziner, also Geriater, Hand in Hand. „Bei Patienten ab 70 ist es häufig so, dass neben der Notfallversorgung weitere Begleiterkrankungen berücksichtigt und gegebenenfalls mitbehandelt werden müssen, weil es anderenfalls zu einem ungünstigen Heilungsverlauf kommen kann“, erklärt Carsten Preiß, Oberarzt im Albertinen Haus. Das können Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes oder Demenz sein. „Zudem nehmen die Patienten meist auch mehrere Medikamente, die zueinander in Wechselwirkung stehen“, ergänzt er. Daher greift im ATZ die geriatrische Mitbehandlung bereits zum Zeitpunkt der Aufnahme und setzt sich über en gesamten Behandlungszeitraum fort. „Das vermeidet Komplikationen, erhöht die Patientenzufriedenheit, verkürzt den Aufenthalt und sorgt erfahrungsgemäß dafür, dass Betroffene weniger oft pflegebedürftig bleiben“, so Dr. Michael Musolf, Chefarzt der Geriatrie im Ev. Amalie Sieveking Krankenhaus und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Geriatrie. Denn – traurig, aber wahr – Studien zufolge wird fast jeder zweite hochbetagte Betroffene einer Oberschenkelhalsfraktur nahe des Hüftgelenks pflegebedürftig. In 25 Prozent der Fälle führt der Befund binnen eines Jahres zum Tod.

Brüche sind vor allem im hohen Alter gefährlich

„Eine Operation rüttelt einen Menschen gehörig durch und hat Konsequenzen für den ganzen Körper. Das ist für multimorbide Patienten in hohem Alter besonders gefährlich“, betont Dr. Musolf. Deshalb sei ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept aus traumatologischer, geriatrischer und rehabilitativer Versorgung für sie so immens wichtig. Dazu gehört laut Frau Dr. Marietta Jansen, Chefärztin der Unfallchirurgie im Albertinen Krankenhaus, nicht nur, „den Patienten besonders schonend zu operieren, sondern vor allem auch, ihn so schnell wie möglich wieder zu mobilisieren.“ Die Operateure wählen deswegen zum Beispiel Implantate, die gleich nach der OP voll belastbar sind. Ingrid S. wurde nach dieser Maßgabe versorgt. Bei ihr sitzt jetzt ein Titan-Nagel im Oberschenkel, damit sie wieder auf beiden Beinen stehen kann. Nach der Visite, die von Geriatern, Chirurgen und speziell geschulten Pflegekräften gemeinsam durchgeführt wird, steht schon die Physiotherapeutin in der Tür, um Ingrid S. mit den Hilfsmitteln zu mobilisieren.

Nachsorge wichtig

Auch rund um die Operation ist sie besonders betreut worden. „Denn ältere Menschen haben ein höheres Risiko, nach Operationen Komplikationen zu erleiden, zum Beispiel ein Delir – einen gefährlichen akuten Verwirrtheitszustand“, sagt Prof. Dr. Ulrich Thiem, Chefarzt der Geriatrie im Albertinen Haus. Deswegen achtet das Team zum Beispiel darauf, dass Patienten möglichst die ganze Zeit ihre Hörgeräte und Brillen behalten, um sich orientieren zu können. Die Zeit ohne Flüssigkeit und Nahrung sollte so kurz wie möglich gehalten werden. „Wichtig ist zudem, dass sie nach der Entlassung weitere Unterstützung bekommen. Zum Beispiel von ambulanten Diensten oder von ihren Angehörígen, auch eine fortgesetzte Therapie ist meistens indiziert“, so Prof. Dr. Thiem. „Die Wiedererlangung der größtmöglichen Selbstständigkeit und die Reintegration in das gewohnte soziale Umfeld stehen bei all unseren Bemühungen im Mittelpunkt.“


Beitragsbild: © Olena Yakobchuk/Shutterstock.com

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