Nackte Frauenbrust mit Armen verdeckt

Schweres Erbe

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Einige Frauen haben genetisch bedingt ein höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken als andere. Wer darum weiß, kann gegen den Ausbruch des Krebses ankämpfen.

„Warum gerade ich? Liegt es an meinen Genen?“ Sätze, die Prof. Dr. Felix Hilpert von seinen Patientinnen des Öfteren hört. Er ist Leitender Arzt des Mammazentrum am Krankenhaus Jerusalem, an dem Brustkrebs therapiert wird.

So entsteht eine Tumorzelle

Prof. Dr. Felix Hilpert

Prof. Dr. Felix Hilpert, Leitender Arzt des Mammazentrum am Krankenhaus Jerusalem

„Jeder Krebs ist im Grunde eine genetische Erkrankung“, erklärt er. Das liegt daran, dass Schlüsselgene, die das Wachstum regulieren, mutieren. Das passiert bei uns jeden Tag. Normalerweise gibt es in den Körperzellen aber Reparaturmechanismen, die diese Fehler beheben können. Tun sie es nicht, kann Krebs entstehen. Bei erblichem Brustkrebs hat die betroffene Frau eine Schwäche, solche Schäden im Erbgut zu reparieren. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit, eine fatale Mutation in einem der für das Zellwachstum wichtigen Gene zu erleiden höher und damit auch das Risiko an Krebs zu erkranken. Stellt man sich die Krebsentstehung wie eine lange Treppe vor, dann steht sie also mit ihrer genetischen Veranlagung eine Stufe höher als andere Frauen – der Krebs tritt bei ihr früher auf.

Hinweise auf erblichen Brustkrebs

„Doch: Nur bei etwa fünf Prozent der Brustkrebspatientinnen ist der Krebs erblich bzw. vererbbar“, macht der Arzt klar. Bekanntestes Beispiel ist Angelina Jolie, die sich aufgrund eines Gendefekts vorsorglich die Brustdrüsen hat entfernen lassen. Hinweise auf familiären Brustkrebs können vorliegen, wenn eine erkrankte Person jung ist oder in der Familie vermehrt bestimmte Krebserkrankungen auftreten. Ist das der Fall, erfolgt zunächst eine ausführliche humangenetische Beratung, die die erblichen, krebsmedizinischen und psychosozialen Aspekte beleuchtet. Sollten die Ratsuchenden dann weiterhin den Wunsch haben, eine solche Genanalyse durchführen zu lassen, muss Blut entnommen werden. Die genetische Analyse erfolgt durch einen Humangenetiker. Sie bringt Gewissheit, ob überhaupt eine Risikomutation vorliegt und wie hoch das Lebenszeitrisiko für bestimmte Krebserkrankungen wie z. B. Brust- und Eierstockskrebs ist. Zudem kann dann mit den Angehörigen gesprochen werden, ob sie auch eine Testung machen wollen – die Wahrscheinlichkeit eine solche Mutation z. B. an die eigenen Kinder weiterzugeben beträgt 50 Prozent.

Familiären Krebs vor dem Ausbruch bekämpfen

„Selbst wenn sich der Verdacht bestätigt und man als Mutationsträgerin ein erhöhtes Erkrankungsrisiko hat, heißt das noch lange nicht, dass der Krebs auch ausbrechen muss“, stellt Hilpert klar. Studien zufolge kann man das Lebenszeitrisiko durch einen guten Lebenswandel und zum Beispiel Sport sogar um knapp 20 Prozent senken, sodass die Mutation gar nicht erst ausgelöst wird.“

Maßnahmen, wenn eine familiäre Veranlagung für Brustkrebs erkannt wird:

  • Intensivere Früherkennungsmaßnahmen: Sie helfen einen möglichen Ausbruch frühzeitig zu erkennen und den Krebs erfolgreich zu behandeln.
  • Prophylaktische Operationen: Bei einigen Hochrisikogenen kann es sinnvoll sein, Gewebe vorbeugend zu entfernen. Das ist eine Einzelfallentscheidung, die die Patientin gemeinsam mit dem interdisziplinären Team des Tumorboards trifft.
  • Medikamente: Tumore, die aufgrund der Schwäche der DNA-Reparatur entstanden sind, können medikamentös behandelt werden.

Gut zu wissen: Ein vom Arzt veranlasster Gen-Test wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

 


Beitragsbild: © Pexels / Anna Tarazevich

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